Blutgruppen

Wir alle haben unser individuelles Blut, das sich in spezifischen Eigenschaften von dem eines anderen Menschen unterscheidet. Es sind viele verschiedene Blutgruppen-Systeme bekannt. Das AB0- und das Rhesus-System sind die wichtigsten Blutgruppensysteme bei der Auswahl von Blut- und Blutprodukten zur Anwendung an Patientinnen und Patienten.

Entdeckung der Blutgruppen

Blut kann aufgrund vieler verschiedener Merkmale in Gruppen eingeteilt werden. Heute sind eine Vielzahl von Blutgruppensystemen bekannt, deren Bedeutung transfusionsmedizinisch sehr unterschiedlich ist. 

Die bekanntesten Blutgruppen-Systeme sind das AB0- und das Rhesus-System. Entdeckt wurden diese Systeme Anfang des 20. Jahrhunderts. Der österreichische Arzt Karl Landsteiner entdeckte zunächst das AB0-System der Blutgruppen. Gemeinsam mit dem Amerikaner Alexander Solomon Wiener stellte er dann in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts das Rhesussystem fest.

Die Entdeckungen der Blutgruppensysteme waren sehr wichtige Meilensteine in der Transfusionspraxis. Während zuvor Bluttransfusionen immer wieder zu lebensbedrohlichen oder tödlichen Zwischenfällen führten, konnte nun gezielt Blut transfundiert werden, das mit dem Blut der Patientin oder des Patienten kompatibel war.

Das AB0-Blutgruppensystem

Der zelluläre Anteil unseres Blutes, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten), besitzen auf ihrer Oberfläche spezifische Kohlenhydratstrukturen (Zucker). Auch weitere Zellen und Gewebe weisen diese charakteristischen Strukturen auf. Man bezeichnet sie als Antigene. Im AB0-Blutgruppensystem werden die Blutgruppen anhand des Vorkommens dieser Antigene auf den Zelloberflächen in vier Gruppen unterteilt: A, B, AB und 0.

  • Blutgruppe A: Es befindet sich nur das Antigen A auf der Hülle der roten Blutkörperchen.
  • Blutgruppe B: Es ist nur das Antigen B vorhanden.
  • Blutgruppe 0: Es sind weder das Antigen A noch das Antigen B vorhanden.
  • Blutgruppe AB: Es befinden sich beide Antigene A und B auf den roten Blutkörperchen.

Die Blutgruppen können nicht nur durch die Blutzellen unterschieden werden. Im Blutplasma befinden sich spezielle Eiweiße: die Blutgruppen-Antikörper A und B. Diese Antikörper sind in der Lage, Blutzellen einer körperfremden Blutgruppe anhand deren Antigene zu erkennen und zu binden. Diese Antikörper sind präformiert, sie werden also bereits ohne vorherigen Kontakt mit dem entsprechenden Antigen gebildet.

 

Ein Mensch mit der Blutgruppe A hat Antigene A auf der Oberfläche der Blutzellen und Antikörper B im Blutplasma. Bei der Blutgruppe B verhält es sich genau andersherum. Die Blutgruppe 0 hat die Antikörper A und B und die Blutgruppe AB weist weder Antikörper der Gruppe A noch der Gruppe B im Blutplasma auf.

Das Rhesus-System der Blutgruppen

Das Rhesussystem ist das zweitwichtigste Blutgruppensystem. Es gibt Blut mit dem „Rhesusfaktor positiv (Rh+)“ und Blut mit dem „Rhesusfaktor negativ (Rh-)“. Die Zugehörigkeit wird bestimmt durch das Antigen des Rhesusfaktors, ein Protein (Eiweiß). Ist jemand Rhesus-positiv, ist das Rhesus-Antigen auf den roten Blutkörperchen vorhanden. Bei Rhesus-negativen Menschen fehlt das Antigen.

Blutgruppen müssen bei Bluttransfusionen kompatibel sein

Für Bluttransfusionen sind die AB0- und Rhesus-Blutgruppensysteme von besonderer Bedeutung, da es bei nicht passenden Spender- und Empfänger-Blutgruppen gefährlich werden kann. Denn: Blut kann nicht beliebig von einem Menschen zum anderen übertragen werden. Die Blutgruppen müssen kompatibel sein. Würde man einem Menschen wahllos das Blut eines anderen übertragen, bestünde die Gefahr einer folgenschweren Abwehrreaktion gegen das Spenderblut: Die Antikörper im Blut erkennen das „falsche Blut“ und verbinden sich mit den Antigenen auf den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), was zu gefährlichen Blutverklumpungen führt. Damit das nicht passiert, muss Spender- und Empfängerblut kompatibel sein.

Auch der Rhesusfaktor wird dominant vererbt, weshalb das Blutgruppenmerkmal Rhesus-negativ selten auftritt. Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind Rhesus-negativ, wohingegen 85 Prozent Rhesus-positiv sind. 

Diese Antigene wurden übrigens erstmals bei Rhesusaffen erforscht, daher der Name.

Kompatibilität der Blutgruppen: Wer kann welches Blut erhalten?

Bei der Übertragung von Blut ist die serologische Verträglichkeit der Blutgruppen des gespendeten Blutes und der Empfängerin oder des Empfängers unbedingt notwendig. Patientinnen und Patienten mit der Blutgruppe AB+ können das Blut aller anderen Blutgruppen erhalten, da sie keine Antikörper gegen die Blutgruppe A oder B bilden. 

Bei Notfällen kommt häufig die Blutgruppe 0 Rhesus-negativ aufgrund ihrer serologischen Verträglichkeit für alle Blutgruppen des AB0-Systems zum Einsatz.

Wie wird die Blutgruppe vererbt?

Die Blutgruppe wird von den beiden Elternteilen an ihr Kind vererbt. Das bedeutet, dass das Kind jeweils ein Blutgruppenmerkmal des Vaters und eines der Mutter erhält. 

Die Vererbung erfolgt über die Mendelschen Erbregeln. Dabei sind die Merkmale A und B untereinander gleichwertig. Gegenüber dem Merkmal 0 sind sie jedoch durchsetzungsstark (dominant). Das Merkmal 0 bezeichnet man daher als rezessives Merkmal. 

Verteilung in Deutschland

In Deutschland dominieren mit Blick auf das AB0-System die Blutgruppen A und 0. Die Blutgruppen B und AB sind in deutlich geringerer Häufigkeit vertreten. Im Rhesus-Sytem überwiegen mit etwa einer Häufigkeit von 85 Prozent die Rhesus-positiven Blutgruppen. 

Weltweit sind die verschiedenen Blutgruppen nicht gleichmäßig verteilt. Unterschiedliche Gruppen können spezifische Blutgruppenhäufigkeiten aufweisen.